

Mag die erste urkundliche Erwähnung der Ortschaft Anröchte auch umstritten sein. Nicht umstritten ist hingegen, daß das frühere Herzogtum Westfalen und damit auch Anröchte im Jahre 1181 dem Erzbischof von Köln unterstellt wurde. Durch den Reichsdeputationshauptschluß vom 25.02.1803 wurde diese Zuständigkeitsregelung geändert und das Herzogtum Westfalen dem Großherzogtum Hessen angegliedert. Im Staatsvertrag vom 30.06.1816 erfolgte dann die Angliederung an Preußen. In der Zeit der Kölner Regentschaft wurde Anröchte durch einen Drosten verwaltet. Hessen-Darmstadt löste die bestehenden Drostenämter auf und teilte das Land neu ein. Jede größere Ortschaft erhielt für ihre Verwaltung einen Justizamtmann als Richter, einen Verwaltungsbeamten und einen Standesbeamten. Der Justizamtmann trug den Namen Schultheiß. Dauk zu Effeln war der erste Schultheiß in Anröchte. Von 1820 bis 1837 verwaltete Ernst Carthaus dieses Amt. Nach seinem Tode übernahm es der Sohn Eberhard. Er führte jedoch bereits die Bezeichnung Amtmann, denn durch die allgemeine Landgemeindeordnung von 1843 wurden die Kreise in Ämter aufgeteilt. Nachfolger von Amtmann Carthaus wurde Amtmann von Papen. Während seiner Dienstzeit wurde das Rathaus (jetzt: altes Rathaus) in Anröchte erbaut, und zwar in den Jahren 1880/81.
In der Fachwelt der Bauindustrie ist der Name Anröchte weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt, weil es hier den sehr gut verwendbaren Anröchter grünen Stein gibt. Steinbrüche gibt es im Anröchter Raum aber nicht erst seit Jahrzehnten, sondern nachweislich schon seit Anfang des 12. Jahrhunderts. Bauten wie z.B. die kath. Pfarrkirche in Anröchte (erbaut um 1180) oder kath. Pfarrkirche in Erwitte (erbaut um 1100) liefern den Beweis, daß der grüne Stein von Anröchte schon seit dieser Zeit hier gebrochen und verarbeitet wird. Mit dem Stein wurden nicht nur Kirchen gebaut, sondern auch Festungsanlagen und Burgen. Blütezeit dieser Bauten war das 12. und 13. Jahrhundert. Eine echte Aufwärtsentwicklung nahmen die Steinbrüche erst, als seitens des Staates überörtliche Verkehrswege angelegt wurden. Insbesondere durch Anlegung der Straßen Minden - Koblenz (heute B 55) in den Jahren 1923 - 29 war es den Anröchter Steinbruchfirmen möglich geworden, den Anröchter Stein auch weit außerhalb von Anröchte abzusetzen. Beliefert wurden auch insbesondere das Sauerland, das Delbrücker Land und das Münsterland mit Platten für Deelen, Viehtröge, Treppenstufen, Schichtsteine, Besatz- und Pflastersteine.
Feine Steinmetzarbeiten wurden erstmals im größeren Umfang ausgeführt beim Erweiterungsbau der Anröchter Pfarrkirche in den Jahren 1894/95.
Die hierbei erlernte Technik kam den Steinbruchleuten alsbald zugute, denn in den 20er Jahren dieses Jahrhunderts wurden viele Kirchen, Klöster und Krankenhäuser gebaut unter Verwendung von Anröchter Stein. In dieser Zeit hielt auch der technische Fortschritt Einzug in die Steinbrüche. Steinsägen, Krananlagen und Zugmaschinen wurden angeschafft. Dadurch wurde nicht nur die schwere Arbeit im Steinbruch erleichtert, sondern es ergaben sich auch weitere Verwendungsmöglichkeiten für den Anröchter Stein. Insbesondere war es nun möglich, gesägte, geschliffene und polierte Plattenbeläge zu liefern.
Die Gemeinde Anröchte hat sich in der Vergangenheit mit Erfolg darum bemüht, die einst durch die Steinbruchindustrie bestehende Monostruktur aufzulockern. Betriebe der Holz-, Kunststoff- und Eisenverarbeitung, des Maschinenbaues etc. wurden neu angesiedelt.
Die Geschichte der Gemeinde Anröchte "Aus den Anfängen bis um 1800" ist im Band 1 und "Anröchte im 19. und 20. Jahrhundert" im Band 2 der Ortschronik der Gemeinde Anröchte zusammenfassend und ausführlich niedergeschrieben.